Übergriffe und Missbrauch passieren oftmals auch durch Männer, die ihre berufliche Stellung ausnützen, um weibliche Klientinnen, die von ihnen abhängig sind, sexuell auszubeuten. Eine solche Abhängigkeit besteht z.B. bei Berufen im psychosozialen, medizinischen, pädagogischen, seelsorgerlichen, juristischen und im Bildungsbereich. Kurz gesagt, ist sexuelle Ausbeutung überall dort möglich, wo Männer mit Frauen arbeiten. Es gibt auch Frauen, die Klientinnen missbrauchen. Eine therapeutische Beziehung zeichnet sich unter den obengenannten Abhängigkeitsbeziehungen noch einmal besonders aus. Da es hier stark um die Arbeit mit Gefühlen geht, entsteht meist eine grosse emotionale Nähe, die für den Erfolg der Therapie wichtig ist. Wird diese emotionale Nähe missbraucht, indem der Therapeut die Beziehung sexualisiert, so hat dies für die Frau massive schädigende Folgen. Oft beginnt der Missbrauch dadurch, dass der Therapeut zunehmend von sich, seinen Bedürfnissen und Problemen erzählt und nicht selten tut er alles, dass eine Frau sich in ihn verliebt. Jede Frau hat das Recht, sich in ihren Therapeuten zu verlieben. Es liegt in der Verantwortung des Therapeuten zu verhindern, dass diese Gefühle real ausgelebt werden. Stellt er selbst aktiv eine sexualisierte Atmosphäre her oder lässt er zu, dass es zu sexualisierten Handlungen kommt, unabhängig davon, ob er dies mit seiner eigenen Verliebtheit oder mit scheinbar therapeutischem Nutzen legitimiert, so beutet er die Frau aus. Auch die Ausbeutung in all diesen Abhängigkeitsbeziehungen kann von verbalen Übergriffen über fast zufällig wirkende oder sogenannt «freundschaftliche» Berührungen bis hin zur massiven, oft wiederholten Vergewaltigung gehen.
Folgen:
Durch einen Mann, den man mit der Hoffnung auf Beratung, Heilung, fachliche Unterstützung oder Unterricht aufsucht, missbraucht zu werden, ist besonders demütigend. Oftmals sind Frauen sehr verwirrt und können selbst fast nicht glauben, dass sie unter dem Deckmantel der Hilfe und Heilung ausgebeutet wurden. Der eigenen Wahrnehmung nicht mehr trauen zu können verunsichert massiv. Insbesondere beim Missbrauch in einer Therapie sind Frauen dem Missbraucher gegenüber oft sehr ambivalent, denn über eine gewisse Zeit hat er sie vielleicht auch im echten Sinne unterstützt. Scham- und Schuldgefühle darüber, als erwachsene Frau den Missbrauch nicht früher erkannt zu haben, sich nicht oder nicht genügend dagegen gewehrt zu haben, erleben die meisten Frauen.
Quellen
- stiftung-gegen-gewalt.ch: https://stiftung-gegen-gewalt.ch/wsp/site/assets/files/1127/infoblatt_sexuelle_ausbeutung_in_abhangigkeitsvbeziehungen_fachpersonen.pdf (Letzter Zugriff: 27.11.2021)