Englisch: The Criminal complaint

Strafanzeigen wegen sexuellem Mißbrauch von Kindern

Bei sexuellem Missbrauch besteht in Deutschland keine Anzeigenpflicht. Dies wird damit begründet, dass es den Opfern weiterhin möglich sein muss, sich jemandem anzuvertrauen — ohne dass zwangsläufig Anzeige erstattet und ein Strafverfahren eingeleitet wird.

Die Strafanzeige kann von jedem erstattet werden, der weiß, dass ein Kind sexuell missbraucht wird bzw. wurde . Wurde eine Anzeige erstattet, so kann sie nicht mehr zurückgezogen werden, die Polizei muß dann von Amts wegen ermitteln. Vom Zeitpunkt der Anzeige bis zur Hauptverhandlung vergehen durchschnittlich acht Monate bis zwei Jahre.

Anzuwendende Paragraphen laut Strafgesetzbuch sind:

§173 Beischlaf zwischen Verwandten Verjährung: 5 J., Strafmaß: bis 3 J. oder Geldstrafe

§174 Sexueller Mißbrauch von Schutzbefohlenen Verjährung: 5 J., Strafmaß : bis 5 J. oder Geldstrafe

§176 Sexueller Mißbrauch an Kindern (bis 14 Jahren) Verjährung: 10 J., Strafmaß: bis zu 10 Jahren

 

Weitere Informationen :

  • Der/Die Geschädigte sollte so früh wie möglich ein Gedächtnisprotokoll erstellen.  Dabei sollte im Gedächtnisprotokoll in Stichpunkten festgehalten werden: Verknüpfungen von Tat und einem bestimmten Datum/Tageszeit/Jahreszeit/Ort. 
  • Kontakte zu leugnenden Elternteilen dürfen ab dem Zeitpunkt der Anzeige nur beaufsichtigt stattfinden bzw. ganz vermieden werden, damit kein Druck auf und seine Aussage ausgeübt wird.
  • Bei der Strafanzeige ist es gut eventuelle Zeugen der Tat anzugeben, auch wenn es nicht sicher feststeht das diese tatsächlich etwas von der Tat mitbekommen haben. In Betracht kommen könnten  z.B. Geschwister, Eltern, Freunde. Auch wenn diese von der Tat selbst nichts mitbekommen haben können sie zur Familiensituation usw. befragt werden.
  • Ein Kind sollte nicht alleine, sondern mit einer Freundin, Erzieherin oder Beraterin zur (Zeugen-) Vernehmung gehen. Die Begleitung durch die Mutter ist nur dann sinnvoll, wenn diese das Kind wirklich vorbehaltlos unterstützt. Besteht ein Interessenkonflikt mit der Mutter, so übt die bloße Präsenz der Mutter Loyalitätsdruck auf das Kind aus und beeinflußt die Vernehmung zu dessen Nachteil.
  • Frauen und Mädchen haben das Recht, nur von weiblichen Personen vernommen zu werden, sowie das Recht, ihre Aussage erst vor dem Ermittlungsrichter zu machen. Manchmal wird eine gynökologische Untersuchung durch einen Gerichtsmediziner verlangt. Ein Mädchen darf als Zeugin gegen seinen Willen am Körper, aber nicht im Körper untersucht werden. Ein Gutachten der Frauenärztin des Mädchens genügt als Beweismittel und ist für das Mädchen angenehmer.
  • Bei der Vernehmung kann die Polizei eine Person des Vertrauens der Frau zulassen. Nach dem neuen Opferschutzgesetz hat die Frau das Recht, auch schon bei der Polizei eine Anwältin/Anwalt hinzuzuziehen.
  • Das Erstatten der Anzeige kann auch eine Anwältin/Anwalt übernehmen.
  • Eine Anwältin sollte so bald wie möglich hinzugezogen werden. Für anwaltliche Beratung und Vertretung kann immer die Prozeßkostenhilfe in Anspruch genommen werden.
  • Es ist sehr sinnvoll eine Anwältin hinzuzuziehen, die sich u.a. auf das Thema spezialisiert hat. Eine solche Rechtsanwältin kann man sich durch Beratungsstellen wie z.B. Wildwasser empfehlen lassen.
  • Es ist immer sinnvoll auch ein psychologisches Gutachten vorzulegen.
  • Wird im Ermittlungsverfahren die Glaubwürdigkeit eines Kindes in Frage gestellt, so kann ein aussage-psychologisches Gutachten beantragt werden. Die Ergebnisse dieses Gutachtens können dann gegen das Mädchen verwendet werden. Das Mädchen hat das Recht, dieses Gutachten zu verweigern. In der mündlichen Verhandlung muß eine Gutachterin allerdings zugelassen werden. Die Gutachterin hat die Aufgabe, über die gegenwärtige Lebenssituation des Kindes sowie die Folgen des Mißbrauchs auszusagen. Darüber hinaus (dies gilt auch für erwachsengewordene Opfer) können schriftliche Gutachten vorgelegt werden. Ein psychologisches Gutachten ist auch sinnvoll um das Ausmass der Schädigung des Opfers vor Gericht zu bringen.
  • Der Staatsanwalt entscheidet, ob das Verfahren vor dem Amtsgereicht/Jugendgericht (erwartetes Strafmaß bis zu drei Jahren) oder vor dem Landgericht/Jugendkammer (höheres Strafmaß) verhandelt wird.
  • Die Polizei leitet nach Abschluß der Ermittlungen die Akten weiter an die Staatsanwaltschaft. Die führt selbst noch Ermittlungen durch und beschließt dann, ob gerichtlich Klage erhoben oder das Verfahren eingestellt wird. Nach Klageerhebung kommt es zur Gerichtsverhandlung, bei der die Frau auf jeden Fall nochmals als Zeugin aussagen muß.

 

Quellen